
Typisch Labkraut
Weltweit gibt es über 600 Labkraut-Arten (Galium). In Deutschland begegnet man 29 Arten, wovon das Wiesen-Labkraut (Galium mollugo) eines der häufigsten ist. Außer dem Wiesen-Labkraut findet man noch oft das Kletten-Labkraut (Galium aparine), das durch seine zahlreichen Widerhaken seinem Namen alle Ehre macht. Und im Wald steht der wohlduftende Waldmeister (Galium odoratum), der auch zu den Labkräutern gehört.
Alle Labkräuter besitzen eine typische auffallende Blattanordnung: Die Blätter stehen nämlich etagenförmig in Quirlen um den vierkantigen Stängel herum. Die kleinen Blätter, die in einem Wirtel meist zu 6–8 zusammenstehen, sind schmal-linealisch und zugespitzt. Die außergewöhnliche Blattanordnung macht eine Verwechslung mit eventuell giftigen Pflanzen unmöglich. Denn alle ähnlich aussehenden Pflanzen gehören zu den Labkräutern und sind unbedenklich. Die meisten werden in der Wildkräuterküche und Heilkunde verwendet.
Mild und saftig
Den wenigsten ist bekannt, dass das Wiesenlabkraut eine Bereicherung für die Wildkräuterküche ist. Es kurbelt den Stoffwechsel an und hilft den Köper zu „entgiften“. Du kannst es fast ganzjährig ernten, denn nach jeder Wiesenmahd treiben wieder junge zarte Triebe aus.
Die jungen Blätter und saftigen Triebspitzen eignen sich sehr gut für Salat, Pesto, Suppen, Soßen, Smoothies und gedünstet als Gemüse. Die Frühlingstriebe schmecken roh mild salatartig mit einem Nachklang, der an junge Maiskölbchen erinnert. Am allerbesten sind sie im März und April, bevor die Blüte beginnt.
Je näher wir zur Blüte kommen, desto faseriger werden die Stängel. Die zart honigduftenden, leicht süßlichen Blüten können ebenfalls genutzt werden. Sie dienen als Speisedekoration und zum Aromatisieren von Limonade. Du kannst damit auch einen wohlschmeckenden Tee zubereiten. Für Tee und Limonade sind allerdings die gelben Blüten des Echten Labkrauts (Galium verum) wesentlich aromatischer. Du kannst daraus ein feines Blütengelee herstellen, indem man du die Blüten einige Stunden in Apfelsaft ausziehen lässt und dann mit Gelierzucker weiterverarbeitest.
Auch das Kletten-Labkraut (Galium aparine) ist in der Wildkräuterküche verwendbar, allerdings nur gedünstet (wegen der hakigen Härchen). Es entwickelt einen erbsenähnlichen Geschmack.
Wichtig!
Wenn Du selbst Wildpflanzen sammeln willst, tu das niemals allein, sondern zieh eine botanisch erfahrene Fachperson zu Rate, die Dir hilft, diese zu bestimmen bzw. von anderen Pflanzen zu unterscheiden. Geeignet ist dafür zum Beispiel eine Wildkräuterwanderung.
Ohne solch eine Schulung solltest Du keine Wildpflanzen zum Verzehr sammeln! Es besteht die Gefahr, dass Du versehentlich die falsche Pflanze erwischst und es durch den Verzehr zu gesundheitlichen Schäden kommt.
Auch als Heilpflanze nutzbar
Das Wiesenlabkraut ist eigentlich keine bekannte Heilpflanze, selbst im Mittelalter wurde es im Gegensatz zum Echten Labkraut eher selten eingesetzt. Man nutzte es damals vor allem bei Hauterkrankungen und Brandverletzungen sowie bei Gallen- und Nierensteinen.
In den letzten Jahren wurde es allerdings von mehreren osteuropäischen Universitäten unter die Lupe genommen. Viele der gefundenen Inhaltsstoffe bestätigen die meisten volksmedizinischen Anwendungen, zum Beispiel bezüglich der vermehrten Harnausscheidung oder der heilsamen Wirkung bei Hauterkrankungen.
- Es wurden bisher 10 Iridoid-Glykoside entschlüsselt, die entzündungshemmende, antioxidative und antimikrobielle Kapazitäten besitzen. Unterstützt wird diese Wirkung durch die vorhandenen Flavonoide und Phenolsäuren.
- Die ebenfalls enthaltenen Anthrochinone wirken mild abführend und harntreibend.
- Das antibakterielle Hydrochinon Arbutin entfaltet seine Wirkung bei Harnwegsinfektionen. Des Weiteren werden lymphflussanregende und krebshemmende Effekte vermutet.
Für Heilzwecke wird das Labkraut nicht wie bei der Wildkräuterküche vor, sondern während der Blütezeit geerntet. Für einen Tee nimmst du 1 gehäuften TL getrocknetes oder 1 EL frisches Labkraut auf ¼ Liter Wasser. 5-7 Minuten Ziehzeit genügen.

Rezept: Wiesensalat mit Labkraut
Zutaten
- 100 g junge Labkrauttriebe
- 100 g junge Löwenzahnblätter
- 100 g Kopfsalat
- 2 Äpfel
- 50 g Sonnenblumenkerne oder Kürbiskerne
- 2 EL Olivenöl
- 1 EL Kürbiskernöl
- 2 EL Balsamicoessig
- 1 EL Zitronensaft
- 2 EL Apfelsaft
- 2 EL Sauerrahm
- Salz und Pfeffer
- Blüten von Wildkräutern (Gänseblümchen, Löwenzahn)
Zubereitung
Labkraut und Löwenzahn in Streifen schneiden. Kopfsalatblätter grob zerkleinern. Apfel in dünne Stifte oder Scheiben zerteilen. Kerne in einer Pfanne ohne Fett leicht anrösten. Alles mischen. Mit den restlichen Zutaten ein Dressing anrühren und unter den Salat mischen. Mit Blüten garnieren.
Und zum Schluss …
Die Wiesen-Labkraut ist eine mildschmeckende essbare Wildpflanze, mit der sich der Speiseplan bereichern lässt. Früher wurde es auch als Heilpflanze genutzt. Du kannst die häufig vorkommende Wiesenpflanze sammeln und damit beispielsweise einen Salat aufpeppen.
Wichtiger Hinweis!
Wie jede Wissenschaft ist die Heilpflanzenkunde ständigen Entwicklungen unterworfen. Soweit in diesem Beitrag medizinische Sachverhalte, Anwendungen und Rezepturen beschrieben werden, handelt es sich naturgemäß um allgemeine Darstellungen, die eine individuelle Beratung, Diagnose und Behandlung durch eine Ärztin, einen Arzt oder eine/einen Apothekerin nicht ersetzen können. Jede/Jeder Nutzende ist für die etwaige Anwendung und vorherige sorgfältige Prüfung von Dosierungen, Applikationen oder sonstigen Angaben selbst verantwortlich. Autoren und Autorinnen und Verlag haben große Sorgfalt darauf verwendet, dass diese Angaben bei ihrer Veröffentlichung dem aktuellen Wissensstand entsprechen. Eine Haftung für Schäden oder andere Nachteile ist jedoch ausgeschlossen.
Für die meisten Heilpflanzen fehlen Studien zu Unbedenklichkeit bei der Anwendung in der Schwangerschaft und während der Stillzeit, sowie bei Säuglingen, (Klein-)Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren. Alle beschriebenen Anwendungen sollten daher, sofern nicht ausdrücklich im Beitrag anders beschrieben, bei diesen Personen und in diesen Lebensphasen nicht ohne ärztliche Zustimmung angewendet werden.
Literatur
- Beiser R. Unsere essbaren Wildpflanzen. Stuttgart: Kosmos; 2022
- Beiser R. Wildkräuter. Stuttgart: Trias; 2017
- Beiser R. Vergessene Heilpflanzen. AT Verlag; 2017
- Bradic J, Petkovic A, Tomovic M. Phytochemical and pharmacological properties of some species of the Genus galium L. Experimental and Applied Biomedical Research 2021; https://doi.org/10.1515/sjecr-2017-0057
Rudi Beiser
Wildkräuter- und Heilpflanzenexperte


