
Ein wärmeliebendes Unkraut
Der Portulak (Portulaca oleracea), oft auch Sommer-Portulak genannt, stammt ursprünglich aus Südeuropa und Nordafrika, ist aber inzwischen weltweit verbreitet. Er wird in warmen Regionen zu den am häufigsten vorkommenden Unkräutern gezählt. Allerdings ist die wärmeliebende Pflanze bei uns eher selten. Man findet ihn am ehesten im Süden Deutschlands und zwar in Gewächshäusern, Gärten und Weinbergen. Infolge des Klimawandels wird er sich bei uns in kommenden Jahren stärker ausbreiten.
Portulak lässt sich auch sehr gut selbst anbauen. Ab März wird die kälteempfindliche Pflanze an Ort und Stelle ausgesät. Portulak ist ein Lichtkeimer, weshalb Du den Samen in die feuchte Erde legst und gut andrückst. Er wird nicht mit Erde bedeckt. Schon nach 4-6 Wochen kannst Du dann ernten!
Die einjährige Pionierpflanze wächst niederliegend. Der reich verzweigte Stängel kriecht am Boden. Auffallend sind die spatelförmigen Blätter, die auffallend dickfleischig und saftig sind. Der Sommer-Portulak ist allerdings nicht mit dem Winterportulak (Claytonia perfoliata) verwandt, der als Salat angebaut und gehandelt wird. Man nennt den Winterportulak wegen der Blattform auch Tellerkraut.
Lecker und gesund
Das in warmen Ländern häufige Ackerunkraut wurde durch die Römer in Mitteleuropa bekannt gemacht. Im Mittelalter war er als Gemüse so beliebt, dass er sogar in den Gärten kultiviert wurde. Im 19. Jahrhundert geriet er leider weitgehend in Vergessenheit. Vielleicht hast Du Lust, seine Vorzüge kennenzulernen?
Die Blätter und Triebspitzen eignen sich wunderbar als Salat und spinatähnliches Gemüse sowie in Smoothies, Kräuterquark, Eiergerichten und Suppen. Der Portulak schmeckt leicht salzig und erfrischend säuerlich. Roh schmeckt er am besten, Du kannst ihn direkt am Fundort knabbern. Die günstigste Sammel- und Erntezeit ist vor der Blüte, dann sind die Blätter schön bissfest und saftig. Danach werden sie etwas bitter. Das Wildgemüse schmeckt nicht nur sehr delikat, sondern es bringt zudem eine Portion Gesundheit auf den Teller: Portulak enthält außergewöhnlich viel Kalium (585 mg/100 g), Magnesium (245 mg/100 g) und Eisen (3,1 mg/100 g). Im Vergleich zum Kopfsalat hat er die 22-fache Menge an Magnesium! Außerdem enthält das knackige Wildkraut viel Provitamin A und mehr Omega-3-Fettsäuren als jedes andere Blattgemüse.
Leider sehr viel Oxalsäure
Bei all den vielen positiven Inhaltsstoffen des Portulaks, sollte man auch die enthaltene Oxalsäure erwähnen, die unter Umständen eine regelmäßige Verwendung etwas einschränkt. Portulak gehört nämlich wie auch Spinat, Mangold, Rhabarber oder Sauerampfer zu den Pflanzen mit einem sehr hohen Oxalsäuregehalt. Oxalsäure kann dem Körper allerdings nur in großen Mengen schaden. Bei hoher Dosierung kann es zu einer Belastung der Nieren kommen, weshalb Menschen mit Nierenerkrankungen auf den Verzehr verzichten sollten. Außerdem behindert Oxalsäure die Verfügbarkeit von Mineralien, wie Kalzium, Magnesium und Eisen.
Bei gesunden und gut mit Nährstoffen versorgten Menschen ist gegen den Genuss von oxalsäurehaltigem Gemüse nichts einzuwenden, allerdings sollten solche Lebensmittel nicht jeden Tag auf dem Speiseplan stehen.
Es gibt jedoch einen Trick, um den Oxalsäuregehalt in den Lebensmitteln zu verringern: Wenn die aufgenommene Nahrung einen hohen Kalziumgehalt besitzt, bindet das Kalzium noch im Verdauungstrakt das Oxalat, sodass es ausgeschieden wird, ohne den Organismus zu belasten. Dementsprechend ergibt es Sinn, wenn Du den Portulak zusammen mit kalziumreichen Lebensmitteln verarbeitest, zum Beispiel Sojaprodukte, Hartkäse oder Milchprodukte.
Nahrung als Medizin
Bei uns ist Portulak als Heilpflanze recht unbekannt, aber in vielen anderen Ländern ist er Bestandteil der Volksmedizin. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bezeichnet die Pflanze deshalb als "globales Allheilmittel". Die zahlreichen Indikationen, bei denen Portulak weltweit seit Jahrhunderten Einsatz findet, bestätigen diese Einschätzung. In China beschreibt man Portulak als "Gemüse für ein langes Leben" und in der Traditionellen Chinesischen Medizin ist er seit Jahrtausenden eine bedeutende Heilpflanze.
In den letzten 10 Jahren wurden zahlreiche Studien über die pharmakologischen Wirkungen von Portulak veröffentlicht. Sie belegen, dass er ein außergewöhnlich breites Spektrum besitzt. Er wirkt zum Beispiel nachweislich antidiabetisch, antikanzerogen, antimikrobiell, entzündungshemmend, leberprotektiv, neuroprotektiv, blutdrucksenkend, cholesterinsenkend, wundheilungsfördernd und er schützt vor Magengeschwüren.
Hervorzuheben ist die neuroprotektive Wirkung, denn die Pflanze verlängert die Wirkungsdauer des wichtigen Botenstoffs Acetylcholin. Auch eine antivirale Wirksamkeit konnte belegt werden, vor allem gegen das Herpes-simplex-Virus. Die zahlreichen Omega-3-Fettsäuren haben nachweislich einen positiven Effekt auf das Herz-Kreislauf-System, da sie die Blutfettwerte und den Blutzuckerspiegel senken. So wird Arteriosklerose und Bluthochdruck vorgebeugt.
Für die Krankheitsprävention gehört das schmackhafte Wildgemüse also unbedingt auf unseren Speiseplan. Ganz nach dem alten Motto: Die Nahrung soll unsere Medizin sein!
Rezept: Portulak-Salat
Zutaten
- 150 g junge Portulaktriebe
- 200 g Tomaten
- ½ Schlangengurke
- 3 EL Olivenöl
- 2 EL Balsamico-Essig
- 1 TL Sojasoße
- 2 EL Creme fraîche
- Pfeffer und Salz
- optional: 100 g Schafsfeta
Zubereitung
Portulak grob hacken, Tomaten und Gurke in Scheiben schneiden. Alle weiteren Zutaten zu einem Dressing rühren und unter den Salat heben. Falls gewünscht, kannst Du gewürfelten Feta unterheben.
Und zum Schluss …
Der Portulak ist ein wärmeliebendes Unkraut, das sich aufgrund des Klimawandels bei uns immer mehr ausbreitet. Die Wenigsten wissen jedoch um seine Vorzüge. In Indien und China ist Portulak dagegen ein beliebtes Gemüse. Vielleicht hast Du Lust, ihn auch einmal zu probieren.
Wichtiger Hinweis!
Wie jede Wissenschaft ist die Heilpflanzenkunde ständigen Entwicklungen unterworfen. Soweit in diesem Beitrag medizinische Sachverhalte, Anwendungen und Rezepturen beschrieben werden, handelt es sich naturgemäß um allgemeine Darstellungen, die eine individuelle Beratung, Diagnose und Behandlung durch eine Ärztin, einen Arzt oder eine/einen Apothekerin nicht ersetzen können. Jede/Jeder Nutzende ist für die etwaige Anwendung und vorherige sorgfältige Prüfung von Dosierungen, Applikationen oder sonstigen Angaben selbst verantwortlich. Autoren und Autorinnen und Verlag haben große Sorgfalt darauf verwendet, dass diese Angaben bei ihrer Veröffentlichung dem aktuellen Wissensstand entsprechen. Eine Haftung für Schäden oder andere Nachteile ist jedoch ausgeschlossen.
Für die meisten Heilpflanzen fehlen Studien zu Unbedenklichkeit bei der Anwendung in der Schwangerschaft und während der Stillzeit, sowie bei Säuglingen, (Klein-)Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren. Alle beschriebenen Anwendungen sollten daher, sofern nicht ausdrücklich im Beitrag anders beschrieben, bei diesen Personen und in diesen Lebensphasen nicht ohne ärztliche Zustimmung angewendet werden.
Literatur
- Yan-Xi Zhou et al. Portulaca oleracea L.: A review of phytochemistry and pharmacological effects. BioMed Res Int 2015; DOI: 10.1155/2015/925631
- Beiser R. Geheimnisse der Unkräuter. Stuttgart: Ulmer; 2023
- Beiser R. Vergessene Heilpflanzen. Aarau: AT Verlag; 2016
Rudi Beiser
Wildkräuter- und Heilpflanzenexperte


