
Analoge Geräte und Vorgänge verlieren immer mehr an Bedeutung. Das sogenannte digitale Zeitalter ist in vollem Gange. Um etwa 1990 wurde es eingeleitet, aber erst seit ca. 2010 findet man das mobile Internet bei vielen Menschen im Alltag wieder. Die zunehmende Digitalisierung verändert das Arbeitsleben, das Familienleben und die Freizeit. Die Digitalisierung eröffnet dem Menschen zwar neue Wege und Möglichkeiten, aber für den menschlichen Körper geht das alles mit belastenden Veränderungen einher. Der Mensch ist von Natur aus auf Bewegung programmiert. Jedes Gelenk, jeder Muskel lebt von der Bewegung. Aber genau die fehlt uns immer mehr, während Computer und Smartphone uns stetig mehr Arbeit abnehmen und auch für unsere berufliche und private Kommunikation sowie Unterhaltung sorgen. Nachdem viele Menschen zunächst an Computern, dann Laptops und Tablets saßen, nimmt heute der Gebrauch von Smartphones in hohem Maße zu. Gesundheitliche Schäden, die von Smartphones, Tablets, Laptops und Monitoren verursacht werden, werden immer häufiger diagnostiziert. Dazu gehören brennende Augen, der »Handy-Nacken«, der »WhatsApp-Daumen« oder der »Tennisellenbogen«. Karl-Heinz Bartling schreibt in seinem Artikel »Das digitale Zeitalter«: »In Deutschland nutzten das Internet im Jahr 2013 bereits 98 % der 14- bis 24-Jährigen. Bereits 85 % der 12-Jährigen nutzen ein Smartphone.« Ärzte warnen mittlerweile vor dem neuen Volksleiden: dem sogenannten Handynacken.
Smartphone, Tablet und Co
Warum rede ich in einem Atlas-Nacken- Buch vom digitalen Zeitalter? Sie können es sich wahrscheinlich denken: Weil das viele Dauersitzen mit vorgebeugtem und vorgeschobenem Kopf den Nacken mitsamt der gesamten Halswirbelsäule stark belastet und die kleinen, sensiblen Kopfgelenke, sprich Atlasgelenke, in eine ungünstige und zwanghafte Fehlstellung bringen – und dies nicht über kurze Zeitphasen hinweg, sondern fast dauerhaft. Sowohl der nach unten gerichtete (Blick aufs Handy) als auch der in den Nacken gelegte Kopf (Blick auf Monitor) ist zu einem Symbol des digitalen Zeitalters geworden.
PC- und Handy-Nacken
Wer kennt dieses Modewort nicht? Der Handy-Nacken betrifft nicht nur die Jugendlichen, sondern alle Altersgruppen. Den »PC-Nacken« bzw. die durch einen PC entstandenen Probleme gibt es schon ein paar Jahrzehnte länger, den Handy-Nacken noch nicht ganz so lang. Aber von der Nackenüberlastung her sind sie sich die beiden sehr ähnlich. Egal ob am Schreibtisch, Computer, Tablet oder Handy – wer stundenlang konzentriert am Schreibtisch oder an einem dieser Geräte arbeitet, spielt oder einfach »nur« darauf schaut, riskiert Nackenverspannungen, eine Abnutzung im obersten Atlasgelenk und eine Überlastung der Halswirbelsäule. Das Gleiche gilt für Menschen, die regelmäßig über viele Stunden hinweg über ihrer Arbeit gebeugt sitzen. Uhrmacher, Juweliere oder andere Feinmechaniker, aber auch Zahnärzte, Kosmetikerinnen, Friseurinnen oder Masseure kennen Nackenverspannungen durch die langanhaltende starre Haltung in der vorgebeugten Position. Natürlich zählen noch viel mehr Berufe dazu. Das Problem besteht immer darin, dass über lange Zeit hinweg eine unnatürliche Haltung und starre Position eingenommen wird, in der Strukturen in diesem Bereich überlastet und eingeengt werden. Dies führt unter anderem zu einem unnatürlichen Druck auf Blutgefäße und auf Nerven. Denn im Bereich der Halswirbelsäule verlaufen lebenswichtige Blutgefäße und Nerven auf eher engem Raum. Durch die überspannten Muskeln wird auf sie Druck ausgeübt, ebenso auf Bandscheiben und den Atlas sowie die Halswirbelgelenke, deren freies Spiel dadurch gestört wird. Die Halswirbelgelenke werden steifer und verlieren an Beweglichkeit.
Handy-Nacken und Geierhals
Der Atlas gewinnt in dieser bewegungsarmen und »digitalen« Zeit, in der der Kopf mehr als häufig fast dauerhaft fehlgehalten wird, mehr und mehr an Bedeutung. Er ist der oberste und sehr bedeutende Wirbel, dessen Lage auf den gesamten Körper Auswirkungen hat. Doch das auf-rechte Sitzen, Stehen und auch Gehen ist uns fast verloren gegangen. Ob im Büro, in der Schule, im Bus oder in der Bahn, ob an Haltestellen oder auf Parkbank, überall ist es mit dabei: das kleine Mobiltelefon, das gleichzeitig Verbindung zu Freunden, Informationsquelle, Organizer, Zeitung und Spielzeug ist. Beim Blick darauf ist der Kopf stets gesenkt. Man spricht vom »gefährlichen Dauerblick nach unten«. Die Folge: Menschen mit Nacken- und Kieferproblemen werden immer jünger. Man spricht heute von der »Generation Kopf unten« oder auch »Head-down Generation«. In der Fachliteratur wird diese »Kopf-Vorhalte-Position« auch als »Head forward posture« bezeichnet. Neben Sitz- und Computerberufen ist der gesenkte Blick auf das Smartphone heute »das Normale«. Egal ob man am konzentrierten Arbeiten, Surfen, Texten, E-Mails checken oder am Spielen ist, die Haltung vor dem Tablet oder Smartphone (das viele auch als Computer nutzen) ist immer gleich: Der Rücken ist eher rund, die Schultern fallen nach vorne, der Kopf wird vorgebeugt, nach vorne geschoben und im oberen Teil in den Nacken gelegt. Besonders ungünstig wirkt sich aus, dass der vorgebeugte Kopf im Nacken bzw. im Genick abgeknickt wird. Für diese Haltung gibt es ebenfalls einen Ausdruck: Geierhals oder Schildkrötenhaltung. Auf eine gerundete Brustwirbelsäule (Rundrücken) antwortet die Halswirbelsäule als Kompensation mit einer Hyperextension (starken Streckung; Hohlnacken), die durch das stetige Starren auf einen Bildschirm gefördert wird. Diese typische Handy-Haltung ist weit verbreitet, da fast jeder über den Tag verteilt sehr häufig auf das (kleine) Display des Smartphones schaut und verfolgt, was online passiert.
Verspannte Muskeln – blockierter Atlas
Die vorgebeugte Kopfhaltung, die fast immer mit einem Rundrücken verbunden ist, ist zur Massenkultur geworden. Außer den überlasteten Nackenmuskeln, die den schweren Kopf in dieser Position vor dem Nach-unten-Fallen bewahren müssen, sind auch die Halswirbel-, die Atlasgelenke und auch die Kiefergelenke dabei in Dauerstress. Blicken wir mit gesenktem Kopf aufs Handy, wirken Kräfte vom Gewicht einer Bowlingkugel auf die Halswirbel. Die überlasteten Nackenmuskeln müssen krampfhaft gegenhalten, verhärten und verkürzen. Und verkürzte Muskeln wiederum üben einen starken Zug auf Gelenke aus. Sie ziehen am Atlas und er kann sich nur helfen, indem er »dicht macht« und blockiert. Dann wird die Beweglichkeit im oberen Halswirbelbereich eingeschränkt und nicht nur der Schulterblick wird zum Problem.
Einseitige Haltungen und Stress
Das Leben in der heutigen Zeit zeichnet sich in vielen Berufen und oft auch in der Freizeit durch einseitige, stereotype Haltungen und insgesamt zu wenig Bewegung aus. Man sitzt im Job oder in der Schule, im Auto und abends auf dem Sofa oder Sessel. Dazu kommen Leistungsdruck und lang andauernde Stresssituationen beruflicher, privater oder anderer Art. Bewegung sowie der gesunde Wechsel von Anspannung und Entspannung kommen zu kurz. Der Mensch bewegt sich zu wenig und schon in jungen Jahren werden täglich oft über mehrere Stunden hinweg schädliche Haltungen eingenommen.
Auf die aufrechte Kopfposition kommt es an
Um Nackenverspannungen und Atlasprobleme zu vermeiden, sollten Sie immer wieder auf eine aufrechte Kopfhaltung achten, egal ob am Monitor, bei irgendwelchen anderen Tätigkeiten oder auch am Handy. Und Sie sollten die Körperhaltung immer wieder wechseln, also dynamisch sitzen oder stehen. Außerdem gibt es eine Körperhaltung, in der die Hals- und Nackenmuskeln kaum gefordert sind: In der aufrechten Haltung wird das Gewicht des Kopfes von den Knochen, vom Skelett, getragen. Dann bleiben die Muskeln weich und verspannen nicht und der Kopf ist frei beweglich.
Quelle: Die besten Übungen für den Atlas-Wirbel
kcl




