
“Long-Covid-Patienten sind mit stationären Angeboten oft kräftemäßig überfordert. Sie könnten von ambulanten Angeboten der Kurortmedizin profitieren”, sagt Brigitte Goertz Meissner vom Deutschen Heilbäderverband (DHV).
Kurorte und Heilbäder sind demnach gut gerüstet für Menschen, die an den Folgen einer Covid-Erkrankung leiden, beispielsweise an chronischer Fatigue. Long-Covid-Patient*innen seien an staatlich geprüften Heilbädern und Kurorten in vielen Fällen genauso gut aufgehoben wie andere chronisch erkrankte Menschen.
Damit die Krankenkassen einen entsprechenden Antrag für eine Ambulante Vorsorgeleistung (Badekur) bewilligen, sind allerdings Details zu berücksichtigen. Goertz-Meissner erklärt, welche.
Langzeitfolgen von Covid-19
Ein beträchtlicher Teil der Menschen, die an Covid-19 erkrankt waren, leidet unter Langzeitfolgen. Im Dezember 2024 sollen etwa 871.000 Menschen in Deutschland an Long Covid gelitten haben. Die Erkrankung zeichnet sich durch eine Vielzahl an Symptomen aus. Dazu gehören Lungenbeschwerden wie Kurzatmigkeit und Husten, Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen sowie starke Erschöpfung bereits nach geringster Anstrengung.
Hinzu kommen rund 650.000 Menschen, die an ME/CFS erkrankt sind. Diese schwere neuroimmunologische Erkrankung hat durch Long Covid zugenommen. Im Mai 2025 waren insgesamt rund 1,5 Mio. Menschen betroffen. Das hat die Stiftung ME/CFS Research Foundation in einer Studie berichtet.
Eine ursächliche Therapie existiert bislang nicht. Verschiedene Kliniken untersuchen in Studien wie etwa Kneipp-Anwendungen oder andere integrativmedizinische Interventionen die Symptome und die Selbstwirksamkeit verbessern können. Eine gute Möglichkeit könnten auch die mehr als 350 deutschen Kurorte und Heilbäder mit ihren ortsgebundenen Heilmitteln bieten, so Brigitte Goertz-Meissner.
Besondere Erfordernisse für die Therapie von Long Covid
Eine Long-Covid-Erkrankung erfordere besondere Umstände, berichtet Goertz-Meissner: “Der Kardiologe Dr. Franz van Erckelens hat anhand einer Studie der Mediclin-Rehakliniken darauf hingewiesen, dass Long-Covid-Patienten mit stationären Angeboten oft kräftemäßig überfordert sind. Er hat stattdessen vorgeschlagen, die therapeutischen Maßnahmen anders zu strukturieren und auf die vielfältigen Angebote der Kurortmedizin zurückzugreifen. Stationäre Aufenthalte könnten, mit zeitlichem Abstand, mit einer Ambulanten Vorsorgeleistung kombiniert werden. Patienten, die dazu in der Lage sind, könnte direkt eine Ambulante Vorsorgeleistung angeboten werden.”
Bewilligung einer Badekur setzt konkrete Indikation voraus
Seit 2021 sind die Krankenkassen in Deutschland wieder dazu verpflichtet, bei einer chronischen Erkrankung in einem bestimmten Rahmen für die Kosten einer Ambulanten Vorsorgeleistung oder Badekur aufzukommen. Bei der Beantragung sei allerdings die Angabe einer konkreten Indikation wichtig.
Goertz-Meissner empfiehlt: Long Covid mit seinen unterschiedlichen Erscheinungsformen und rund 200 Symptomen ist zu allgemein. Besser sei eine Diagnose wie “Chronisches Lungenleiden nach Corona-Infektion” oder “Chronische Erschöpfung nach Corona-Infektion”. Auf dieser Basis könne auch das Heilbad oder der Kurort besser ausgewählt werden. So seien Seebäder mit ihrem Reizklima besonders für Menschen mit Lungenerkrankungen geeignet, jedoch weniger für Fatigue-Patient*innen.
Auf der Website des Deutschen Heilbäderverbands kann mit einer Indikation nach passenden Kurorten oder Heilbädern gesucht werden.
Quelle: Initiative Gesunde Vielfalt





