SchmerzenBauchschmerzen: Symptom mit vielfältigen Ursachen

Bauchschmerzen können vielfältige Ursachen haben. Dr. med. Daniela Oltersdorf erklärt, welche Schritte zur Diagnose führen.

Frau hält sich mit beiden Händen den Bauch
Siam/stock.adobe.com - Stockphoto. Posed by a Model.
Gastritis, Nahrungsmittelunverträglichkeit oder Zystitis? Bauchschmerzen können verschiedenste Ursachen haben.

Jeder Mensch leidet sehr wahrscheinlich mindestens einmal in seinem Leben an Unterbauchschmerzen. Patient*innen kommen damit in meine Praxis für Ernährungsmedizin oder ich sehe sie am Wochenende im ärztlichen Notdienst.

Einteilung von Bauchschmerzen

Bauchschmerzen werden grundsätzlich nach Schmerzbeginn und Schmerzverlauf eingeteilt. In Bezug auf den Schmerzbeginn können die Schmerzen akut, subakut, perakut oder chronisch auftreten. Schaut man sich den Schmerzverlauf an, kommen diese Aspekte in Betracht:

  • Eine Perforation (Löchrigwerden) eines Organs ist mit einem akuten Schmerzereignis vergesellschaftet, das kurz abklingt bis es zum Peritonismus (Reizung des Bauchfells) mit Schmerzen in der gesamten Bauchhöhle kommt.
  • Ein kolikartiger Schmerz ist an Intensität zu- und abnehmend wie bei einer Cholezystolithiasis oder Nephrolithiasis (Gallen- oder Nierenstein).
  • Ein Entzündungsschmerz hingegen ist langsam zunehmend, z.B. bei Appendizitis (Blinddarmentzündung), Cholezystitis (Gallenblasenentzündung), Divertikulitis (Entzündung der Ausstülpungen des Dickdarms) oder Adnexitis (Eileiterentzündung). Demgegenüber werden Periodenschmerzen, die von einer Endometriose herrühren, als chronisch bezeichnet.
  • Chronische Schmerzen wie bei einer Rheumatoiden Arthritis (Gelenksentzündung) oder Endometriose.

Lokalisation

Akute und chronische Schmerzen kann man bezüglich ihrer Lokalisation und Ausstrahlung weiter unterteilen.

So treten Schmerzen im Oberbauch auf bei einer Gastritis (Magenschleimhautentzündung), einer Cholezystolithiasis (Gallenstein) mit Abgang, einem rupturierten Aortenaneurysma (eine geplatzte Aussackung der Hauptschlagader), einer Leberruptur oder bei einer Pneumonie (Lungenentzündung).

Im Mittelbauch können sich ein Ulkus duodeni (Geschwür des Dünndarms), ein perforiertes Ulkus (Geschwür mit einer löchrigen Stelle), ein mechanischer Ileus (Darmverschluss durch eine Enge oder Verlegung) oder eine Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung) bemerkbar machen.

Im Unterbauch können die Schmerzen verursacht sein durch eine rupturierte Ovarialzyste (ein geplatztes Eierstock-Eibläschen), eine stielgedrehte Zyste, eine Adnexitis (Eileiterentzündung), ein Abort (Fehlgeburt), eine Tubarruptur bei EUG (Aufplatzen des Eileiters bei einer Schwangerschaft an dieser Stelle) oder eine Appendizitis (der entzündete Blinddarm).

Eine Schmerzausstrahlung beispielsweise in die Leiste oder den Rücken kann weiter Aufschluss geben. Hinzu kommen internistische Erkrankungen als mögliche Ursachen für Bauchschmerzen. Dazu zählen die diabetische Ketoazidose, Morbus Addison, Herpes Zoster oder hämolytische Krisen.

Außerdem können Erkrankungen, die ihren Ursprung außerhalb des Bauchraums haben, für Beschwerden sorgen. Beispiele dafür sind die Pleuritis (Lungenfellentzündung), der Myokardinfarkt (Herzinfarkt) oder die Lungenembolie.

Möglich Arten von Schmerzen

Die Schmerzen lassen sich weiter in ihrer Art unterscheiden:

  • Wellenförmige Schmerzen können auftreten, wenn es sich um ein Hohlorgan wie die Gallenblase oder die Gebärmutter handelt.
  • Stechende, brennende oder zu- /abnehmende Schmerzen, je nachdem ob ein Organ entzündet ist, sich gedreht hat oder perforiert wurde.

Anamnese und Diagnostik

Um den Ort und das Schmerzgeschehen besser einkreisen zu können, beginnen wir Ärzte mit der Anamnese. Wir befragen den Patienten, wann der Schmerz zum ersten Mal aufgetreten ist, ob er schlimmer wird, wie lange er schon besteht, ob Fieber, Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall ihn begleiten. Je nachdem, wie lange eine Entzündung schon besteht, kann ein Schmerz auch wandern. 

In der Notaufnahme wird ein Schmerzgeschehen im Bauch als akutes Abdomen bezeichnet, bis geklärt ist, worum es sich handelt.

Merke

  • Seit wann, wo und wie treten die Schmerzen auf?
  • Gibt es zusätzliche Beschwerden?

Nach der Anamnese schließt sich die körperliche Untersuchung an: Palpation (Abtasten), Auskultation (Abhören) und Perkussion (Abklopfen) des Abdomens, ggfs. eine rektale Untersuchung. Je nach Art und Schwere der Schmerzausprägung erfolgen Laboruntersuchungen aus Blut und Urin und meist auch eine bildgebende Diagnostik wie Ultraschall, Röntgen, CT oder MRT.

Bestätigt sich nach einem Verdacht die Diagnose einer Blinddarmentzündung, Eileiterschwangerschaft oder von freier Flüssigkeit im Bauchraum durch eine Blutung oder Perforation, ist der nächste Schritt eine Operation. Es wird dann eine Laparoskopie (Bauchspiegelung) oder Laparotomie (Bauchschnitt) durchgeführt.

Liegen den Bauchschmerzen Erkrankungen wie eine Zystitis (Blasenentzündung), Gastro-Enteritis (Brech-Durchfall) oder schmerzhafte Periodenblutung zugrunde, bestehen die therapeutischen Maßnahmen aus Schmerzmedikation und wenn nötig einer antibiotische Therapie. Auch physikalische Therapien kommen unterstützend zum Einsatz, zum Beispiel eine Wärmflasche bei einer Sigmadivertikulitis.

Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Reizdarm, Zöliakie

Auch Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Lebensmittelallergien, Reizdarmsyndrom oder die Zöliakie können zu Unterbauchschmerzen führen. Allerdings ist dies selten ein akutes Geschehen. Die Beschwerden bestehen meist länger und die Patient*innen haben die Verbindung zur Nahrungsaufnahme oder dem Stuhlgang meist bemerkt.

Da wir Ärzte die Anamnese lieben, sie stellt schließlich die Grundlage unserer Diagnostik dar, dürfen Patienten*innen gerne aufschreiben, wann und wo die Schmerzen bereits aufgetreten sind und ob sie einen Zusammenhang mit der Ernährung sehen.

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Ernährungstagebuch

Vermuten wir, dass die Beschwerden mit der Ernährung oder einem Lebensmittel im Zusammenhang stehen, lohnt es sich, für 2 bis 4 Wochen ein Ernährungsprotokoll zu schreiben.

Damit kann man objektiv sein Ernährungsverhalten betrachten und Zusammenhänge erkennen. Die Nahrungsaufnahme führt nämlich nicht unbedingt sofort zu Beschwerden. Im Magen verweilt das Essen 1 bis 3 Stunden, je nachdem, was wir gegessen oder getrunken haben. Im Dünn- und Dickdarm hingegen 6 bis 18 Stunden. So kann es mitunter sein, dass erst am nächsten Morgen Blähungen oder Durchfälle auftreten. Manche Symptome wie Hauterscheinungen können auch erst nach Tagen erscheinen.

Optimalerweise trägt man Bewegungszeiten, Ruhezeiten und Schlafdauer ein.

Frauen empfehle ich, das Ernährungsprotokoll 4 Wochen durchzuführen, da einige Beschwerden zyklusbedingt auftreten können.

Sind bei den Untersuchungen organische Ursachen wie eine Adnexitis, Divertikulitis oder Zystitis ausgeschlossen, fokussieren wir uns auf die Ernährung. Weitere Tests können die Beschwerden noch besser eingrenzen und zur Diagnose führen. Der Laktoseintoleranztest (Atemgasmessung), der Test auf Fructosemalabsorption, ein Bluttest auf Zöliakie sowie der Algorithmus für die Reizdarm-Diagnostik oder eine Magen- und Darmspiegelung.

Lesen Sie im Beitrag Tipps bei Verdauungsbeschwerden, wie sich ernährungsbedingte Unterbauch-Beschwerden behandeln lassen.

Daniela Oltersdorf ist Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Ernährungsmedizinerin und Buchautorin. Sie ist in eigener Praxis in Calw mit dem Schwerpunkt Ernährungsmedizin niedergelassen.

www.ernaehrungsmedizinoltersdorf.de

Instagram: @dr.danielaoltersdorf