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Joggen ist eine der beliebtesten Sportarten, auch für Menschen über 50 Jahre. Allerdings wird diese Altersgruppe sehr häufig mit Vorurteilen und hartnäckigen Irrtümern konfrontiert. Das ist schade! Denn auch Ältere können von einem gut aufgebauten Lauftraining profitieren und mit der richtigen Disziplin auf viele schöne Laufeinheiten hoffen.
Gesundheit braucht keinen Marathon
Eine großangelegte Studienauswertung aus dem Jahr 2019 beurteilte Daten von ca. 230.000 Menschen und kam zu interessanten Ergebnissen:
- Das Risiko vorzeitig zu sterben war bei den Läuferinnen und Läufern 27% niedriger.
- Herz-Kreislauf-Risiken wurden um 30% gesenkt.
- Das Risiko für Krebserkrankungen war um 23%. geringer.
Das Schöne dabei: Schon eine kleine Dosis von weniger als 50 Minuten Training pro Woche begünstigte die wichtigsten Gesundheitsvorteile, wie einen gesenkten Blutdruck, ein gut trainiertes Herz-Kreislauf-System, einen niedrigen Ruhepuls oder elastische Gefäße. Es braucht also kein verbissenes „Kilometerfressen“. Ganz im Gegenteil!
Knorpelkiller oder Schutzengel für die Gelenke?
Eine Frage der Dosis. In der öffentlichen Wahrnehmung und teilweise auch in der medizinischen Praxis besteht oft die Sorge, dass die wiederholten Stoßbelastungen beim Laufen zu einer vorzeitigen Abnutzung der Gelenkknorpel, insbesondere an Knie und Hüfte, führt. Die aktuelle Beweislage widerspricht dieser Annahme für den Breitensportsektor jedoch deutlich. Eine aussagekräftige Studie von 2017 zeigt, dass die richtige Dosis über Schaden oder Nutzen für die Gelenke entscheidet:
So zeigten Läuferinnen und Läufer auf Breitensportniveau weniger Abnutzung in ihren Gelenken als inaktive Zeitgenossen. Gut dosierte Laufeinheiten tragen zu einem guten Knorpelstoffwechsel bei und fördern so dessen Gesundheit. Während Inaktivität den Knorpel förmlich verkümmern lässt. Sogar wenn schon leichtere Arthrose in den Knien zu finden ist, kann Laufen positive Effekte erzeugen. So wurde eine schmerz- und entzündungslindernde Wirkung durch das Training festgestellt. Interessant: wer seinen Ehrgeiz nicht zügeln kann und unbedingt noch Höchstleistungen vom Körper erwartet hat ein höheres Arthroserisiko als entspannte Freizeitläufer und sogar als die Vielsitzer.
Knochen und Sehnen profitieren
Ein wichtiges Thema im Alter ist die Osteoporose. Hier hat Laufen einen klaren Vorteil gegenüber Sportarten wie Schwimmen oder Radfahren: Die Stoßbelastung bei jedem Schritt setzt mechanische Reize, die den Knochenaufbau fördern.
Gerade für Frauen nach den Wechseljahren ist das relevant. Eine Studie hat gezeigt, dass Training die Knochendichte an Wirbelsäule und Hüfte signifikant steigern kann. Laufen trägt somit zu stabileren Knochen und einem geringeren Frakturrisiko bei.
Auch die Sehnen profitieren: Regelmäßig zu laufen reduziert altersbedingte Veränderungen im Bindegewebe. Dadurch können Sehnen selbst im höheren Alter funktionell „jünger“ bleiben als bei inaktiven Menschen.
Erfrischend für Körper UND Geist
Neben dem körperlichen Nutzen kann regelmäßige Bewegung auch einem geistigen Abbau vorbeugen. Aerobes Training fördert die Ausschüttung von körpereigenen Substanzen, die das Wachstum von Nervenzellen und ihren Verbindungen unterstützen. Gerade bei ersten Gedächtnisproblemen zeigen Studien positive Effekte auf die kognitive Leistungsfähigkeit. Zudem verbessert Laufen auch die Durchblutung von Hirnarealen, die für Lernen und Erinnern zentral sind. So trägt es dazu bei, die geistige Leistungsfähigkeit im Alter zu erhalten.
So gelingt der Einstieg
Idealerweise gehören Sie zu den Menschen, die sich jünger fühlen als sie kalendarisch und körperlich wirklich sind! Das ist an sich etwas Schönes. Es kann aber im Sport dazu führen, dass wir uns etwas überschätzen. Deshalb möchte ich Ihnen an dieser Stelle einige Tipps vor dem Einstieg ins Lauftraining geben:
1) Ärztlicher Checkup
Lassen Sie sich nach einer sehr langen Trainingspause oder bei bekannten Vorerkrankungen sportärztlich untersuchen und beraten. Weitere Infos dazu finden Sie hier.
2) Walk-to-Run-Prinzip
Anfänger sollten mit strammem Gehen beginnen und erst schrittweise kurze Laufintervalle (z.B. 1 Minute Joggen, 1 Minute Gehen) integrieren.
Wichtig: Wer nicht schmerzfrei gehen kann, sollte auch nicht laufen!
3) Richtige Schuhe
Schnappen Sie sich nicht irgendein altes Paar Sportschuhe aus der hintersten Ecke. Lassen Sie sich bei einem ortsansässigen Fachhändler beraten.
4) Kontinuität vor Intensität
Es ist wichtig, regelmäßig (2–3-mal pro Woche) zu laufen, damit sich Ihr Körper an die Belastung gewöhnen kann. Verpasste Trainings können und dürfen nicht in einem Gewaltakt „nachgeholt“ werden. Nach längeren Pausen muss die Belastung sogar gedrosselt werden.
5) Krafttraining als Fundament
Jeder hasst es und jeder braucht es: Grundlagentraining! Läufer wollen an erster Stelle laufen und vergessen dabei gerne mal die wichtigen Grundlagen Ihres Sports. Wer lange Freude am Laufen genießen möchte, sollte an seiner Technik arbeiten und gezielte Kraftübungen machen. Lassen Sie sich von Lauftrainern oder Therapeuten beim Aufbau eines eigenen Programms unterstützen.
3 Übungen zur Unterstützung Ihres Lauftrainings
Die folgenden Übungen zielen auf wichtige Muskelgruppen zur Unterstützung Ihres Trainings. Als erfahrener Physiotherapeut weiß ich, wie ungern Sportler sich einem Grundlagentraining widmen. Doch gerade in dieser wichtigen Ergänzung zum geliebten Sport liegt nicht nur der Schlüssel zum Erfolg, sondern auch zur langanhaltenden Freude am Laufen.
Wer sich nicht seinen Schwächen stellt und sie gezielt beseitigt, erhöht das Risiko für Verletzungen und Überlastungen deutlich. Dann drohen Sehnenprobleme, Fersensporn oder Rückenschmerz der frisch geweckten Leidenschaft ein viel zu frühes Ende zu bereiten.
Nehmen Sie sich 2- bis 3-mal pro Woche Zeit Ihren Körper zu unterstützen. Oft reichen schon 12 – 15 Minuten, um gute Ergebnisse zu erzielen. Ich wünsche Ihnen viel Spaß und Erfolg mit Ihrer Laufkarriere und den 3 folgenden Übungen!
Übung 1: Seitenkraft



Ausgangsstellung
- Begeben Sie sich in die gestreckte Seitenlage.
- Der rechte Arm ist angewinkelt.
- Der Ellenbogen befindet sich unter der Schulter.
Ausführung
Die Schultermuskulatur gezielt aktivieren. Senken Sie das Becken so weit, dass es den Boden ganz leicht den berührt. Dann heben Sie es wieder an. Arbeiten Sie in langsamen und fließenden Bewegungen.
Beginner-Variante: Winkeln Sie Ihre Knie auf 90° an. Das macht die Übung am Anfang leichter.
Häufigkeit: 2-3 Einheiten pro Woche, 3 x 15 Wiederholungen pro Seite
Das bringt es:
Die seitlichen Rumpf- und Hüftmuskeln werden gestärkt. Das schützt die Rücken- und Hüftregion vor Überlastungen.
Übung 2: Morgen-Muschel



Ausgangsstellung
- Starten Sie in Seitenlage.
- Die Beine liegen aufeinander und sind leicht angewinkelt.
- Fersen, Becken und Kopf liegen in einer geraden Linie.
Ausführung
Ziehen Sie den Bauchnabel ein und behalten Sie Fersenkontakt, während Sie das rechte Bein abspreizen. Das Becken und der untere Rücken bleiben stabil und unbewegt. Genießen Sie die gesunde Anspannung am Ende der Bewegung für 2–3 Sekunden. Senken Sie das Bein wieder ab. Streben Sie eine fließende Bewegung an und lassen Sie eine kurze Berührung der Knie zu, ohne das Bein abzulegen.
Häufigkeit: 2-3 Einheiten pro Woche, 3 x 15 Wiederholungen pro Seite
Das bringt es:
- Gesunde Beinachsen entstehen in den Hüften!
- Sie trainieren die wichtigen Auswärtsdreher der Hüfte (unter anderem den M. piriformis) und bringen damit Ihre Beine in eine gesunde Stellung.
Übung 3: Wackelige Waage



Ausgangsstellung
- Kurze Schrittstellung.
- Ihr vorne stehender linker Fuß befindet sich auf einem Balancepad oder einer aufgerollten Trainingsmatte.
Ausführung
- Heben Sie die gestreckten Arme in Verlängerung des Körpers nach oben. Die Handinnenflächen schauen sich an. Der Schultergürtel geht tief.
- Der Oberkörper neigt sich nach vorne und das rechte Bein wird nach hinten gestreckt.
- Arme, Rumpf und hinteres Bein bewegen sich als Einheit und bilden in der Zielposition eine waagerechte Linie.
Tipp: Machen Sie die gesamte Bewegung kleiner und langsamer, wenn Sie noch unsicher sind.
Häufigkeit: 2-3 Einheiten pro Woche, 2 x 15 Wiederholungen je Bein
Das bringt es:
Der gesamte Rücken wird gekräftigt, während Sie Ihren Gleichgewichtssinn verbessern. Zusätzlich profitieren die Bein- und Fußmuskeln.
Arndt Fengler

Arndt Fengler ist begeisterter Physiotherapeut, Lehrer für kinesiologisches Taping und Faszien-Therapie sowie Buchautor. Er lebt und arbeitet in der Schweiz.
Web: www.arndtfengler.ch
Youtube: @carmelaundarndtfengler




