ObstipationFlohsamenschalen gegen chronische Verstopfung

Mit Quellkraft gegen die Verstopfung: Wie Flohsamenschalen die Stuhlfrequenz steigern.

Flohsamenschalen in Weckgläsern
S. Bütow/Thieme
Die Schleimstoffe der Flohsamen machen den Stuhl durch das Binden von Wasser gleitfähiger und geschmeidiger. Das erleichtert die Darmpassage und das Entleeren des Darms.

Volksleiden chronische Verstopfung

Bis zu 15 Prozent der Menschen in Deutschland leiden unter chronischer Verstopfung, Frauen sind etwa doppelt so oft betroffen wie Männer. Am häufigsten betrifft es ältere Menschen. Chronische Verstopfung bedeutet, dass Betroffene über mindestens 3 Monate Schwierigkeiten beim Entleeren des Darms haben. Es gelingt nur durch starkes Pressen, der Stuhl ist oft hart und klumpig. Betroffene haben meist nur 3-mal die Woche Stuhlgang und oft das Gefühl, der Darm wird nur teilweise entleert.

Solltest Du unter diesen Symptomen leiden, dann sprich mit Deinem Arzt darüber! Er kann mit Dir die eventuelle weiterführende Diagnostik besprechen und für Dich passende Therapieratschläge geben. Außerdem wird er mit Dir wahrscheinlich über Deinen Lebensstil sprechen. Denn insbesondere der moderne Lebensstil mit Bewegungsmangel, ballaststoffarmer Ernährung oder unzureichender Trinkmenge kann Verstopfungen auslösen.

Daneben kannst Du mit Deinem Arzt auch die Anwendung von Heilpflanzen wie den Flohsamen besprechen. Sicher kennt er deren Vorzüge, da in der medizinischen Leitlinie (S2k-Leitlinie Chronische Obstipation) Flohsamen explizit als Mittel der ersten Wahl empfohlen werden [1]. Doch was sind diese Flohsamen?

Die Schleimstoffe der Wegeriche

Viele Wegericharten bilden schleimhaltige Samen, so der Flohsamen-Wegerich (Plantago afra), der Indische Flohsamen (Plantago ovata) und der Sand-Wegerich (Plantago arenaria, Synonym: Plantago indica). Medizinisch gebräuchlich sind vor allem die Samen des Flohsamen-Wegerichs (Flohsamen - Psyllii semen) und vom Indischen Flohsamen (Plantaginis ovatae semen). Kommission E, ESCOP und HMPC begrüßen deren Einsatz bei chronischer Verstopfung, zur Erweichung des Stuhls bei schmerzhaftem Stuhlgang und beim Reizdarmsyndrom [2].

Ihre Wirkung bei Verstopfung lässt sich vor allem durch ihre physikalischen Eigenschaften erklären. Aber auch ihre Wirkung auf das Darmmikrobiom spielt eine Rolle.

Quellmeister – physikalische Wirkungen

Flohsamen sind Quellmeister: Dank ihrer Schleimstoffe können sie das 40- bis 50-fache ihres Eigengewichts an Wasser binden. Das passiert auch im Darm: Die Schleimstoffe binden viel Wasser, das eigentlich resorbiert werden würde. Dadurch vergrößert sich das Stuhlvolumen, was wiederum die Entleerung des Darms fördert. Daneben machen die Schleimstoffe den Stuhl durch das Binden von Wasser gleitfähiger und geschmeidiger. Das erleichtert die Darmpassage und das Entleeren des Darms.

Studien zeigen, dass Flohsamen bei Menschen mit Verstopfung die Stuhlfrequenz erhöhen und die Konsistenz des Stuhls verbessern. Interessant hierbei: Es tritt kein Gewöhnungseffekt ein, das heißt, Flohsamen wirken auch bei längerer Anwendung zuverlässig [3].

Wirkung auf das Darmmikrobiom

Die Schleimstoffe der Flohsamen sind für uns nicht verdaulich. Das sind gute Neuigkeiten! Denn dann freuen sich im Darm viele nützliche Symbionten. Im Gegensatz zu uns haben sie die notwendigen Enzyme, um die Schleimstoffe in einzelne, verwertbare Zuckermoleküle aufzuspalten. Dadurch gedeihen die Darmsymbionten. Tierstudien zeigen, dass Flohsamen die Zusammensetzung der Darmflora verbessern können [4].

Verbessert sich die Zusammensetzung unserer Darmflora, bedeutet das, dass die Anzahl und Diversität der für uns nützlichen Darmkeime zunimmt. Davon profitieren beide Seiten, die Darmsymbionten und wir. Dank Flohsamen bilden sie zum Beispiel mehr kurzkettige Fettsäuren, die die Gesundheit und Aktivität unserer Darmschleimhaut fördern [5]. Flohsamen sorgen auch dafür, dass zwei wichtige Bakterienstämme in unserem Darm gedeihen: die Laktobazillen und Bifidobakterien [6]. Beide sind entscheidend für ein gesundes Darmmilieu. Sie bilden Milchsäure und sorgen damit für einen leicht sauren pH-Wert. Während Darmsymbionten diesen lieben, wird er von für uns potenziell schädlichen Keimen gemieden.

Diese Effekte kommen besonders Menschen mit Verstopfung zugute, wie eine 2019 veröffentlichte Studie nahelegt. Sie zeigte, dass Flohsamen die Darmflora bei verstopften Teilnehmern stärker veränderte als bei Probanden ohne Verstopfung. Flohsamen erhöhten die Anzahl nützlicher Bakterien und verbesserten die Stuhlkonsistenz [7]. Du möchtest mehr über die Wirkung der Flohsamen auf das Darmmikrobiom erfahren? Dann empfehle ich Dir meinen Beitrag Flohsamen: Mit Schleimstoffen für ein gesundes Darmmikrobiom.

Flohsamenschalen bei Verstopfung anwenden

Du möchtest Flohsamen anwenden?

Ich empfehle bei Verstopfung die Anwendung der Flohsamenschalen (Plantaginis ovatae seminis tegumentum), die haben eine besonders starke Quellkraft. Falsch wäre es, gleich mit einer großen Menge beginnen. Dein Darm muss sich erst an die Schleimstoffmenge gewöhnen:

  • Beginne mit 1 TL (ca. 5 g) Flohsamenschalen täglich und steigere die Menge nach 3 Tagen auf 3 TL pro Tag (am besten in 3 Einzeldosen eingenommen).
  • Verträgst Du das gut, kannst Du die Menge weiter steigern, auf bis zu 6 TL (30 g) täglich.

Für die Einnahme gibt es 2 Möglichkeiten, die Du nach Belieben kombinieren kannst. Entweder Du rührst die Flohsamensamen in ein Glas Wasser ein und trinkst es zügig, bevor das Glas voller Schleim ist. Oder Du gibst die Flohsamenschalen in Dein Essen, zum Beispiel in Joghurt, Müsli oder Apfelmus.

Bitte beachten

Die Wirkung der Flohsamen tritt bei chronischer Verstopfung tritt meist erst nach 2 bis 3 Tagen ein. Entscheidend für die Wirksamkeit ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Pro 5 g Flohsamenschalen (ca. 1 TL) solltest du mindestens 200–250 ml Wasser zusätzlich trinken!

Die Schleimstoffe der Flohsamenschalen können die Aufnahme von Arzneistoffen stören. Nimm die Flohsamen daher in einem zeitlichen Abstand zu Medikamenten (mindestens eine Stunde) ein.

Bei bekannter Allergie gegenüber Flohsamenschalen, bei Verdacht auf Darmverschluss (Ileus), der sich durch starke Unterleibsschmerzen mit Übelkeit und Erbrechen bemerkbar macht, bei Erkrankungen der Speiseröhre wie Speiseröhrenentzündung (Ösophagitis) und bei Schluckbeschwerden dürfen Flohsamenschalen nicht eingenommen werden.

Wenn Du Blut im Stuhl bemerkst oder starke Schmerzen hast, brich die Anwendung ab und konsultiere Deinen Arzt!

Und zum Schluss

Die Evidenz ist eindeutig: Flohsamen sind bei chronischer Verstopfung wirksam und sicher, sofern die Trinkmenge stimmt. Flohsamen vergrößern das Stuhlvolumen, machen den Stuhl geschmeidiger und wirken sich günstig auf das Darmmikrobiom aus. Das führte in Studien zu einer erhöhten Stuhlfrequenz bei Menschen mit Verstopfung.

Wichtiger Hinweis!

Wie jede Wissenschaft ist die Heilpflanzenkunde ständigen Entwicklungen unterworfen. Soweit in diesem Beitrag medizinische Sachverhalte, Anwendungen und Rezepturen beschrieben werden, handelt es sich naturgemäß um allgemeine Darstellungen, die eine individuelle Beratung, Diagnose und Behandlung durch eine Ärztin, einen Arzt oder eine/einen Apothekerin nicht ersetzen können. Jede/Jeder Nutzende ist für die etwaige Anwendung und vorherige sorgfältige Prüfung von Dosierungen, Applikationen oder sonstigen Angaben selbst verantwortlich. Autoren und Autorinnen und Verlag haben große Sorgfalt darauf verwendet, dass diese Angaben bei ihrer Veröffentlichung dem aktuellen Wissensstand entsprechen. Eine Haftung für Schäden oder andere Nachteile ist jedoch ausgeschlossen.

Für die meisten Heilpflanzen fehlen Studien zu Unbedenklichkeit bei der Anwendung in der Schwangerschaft und während der Stillzeit, sowie bei Säuglingen, (Klein-)Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren. Alle beschriebenen Anwendungen sollten daher, sofern nicht ausdrücklich im Beitrag anders beschrieben, bei diesen Personen und in diesen Lebensphasen nicht ohne ärztliche Zustimmung angewendet werden.

  1. Andresen et al: Aktualisierte S2k-Leitlinie chronische Obstipation der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie & Motilität (DGNM), April 2022 – AWMF-Registriernummer: 021–019: https://register.awmf.org/assets/guidelines/021-019l_S2k_Chronische_Obstipation_2022-11.pdf (abgerufen am 27.1. 2026)
  2. Blaschek W, Ebel S, Hackenthal E et al. Plantago. Hagers Enzyklopädie der Arzneistoffe und Drogen. Stuttgart: WVG/Springer; 2014
  3. McRorie JW Jr, McKeown NM. Understanding the Physics of Functional Fibers in the Gastrointestinal Tract: An Evidence-Based Approach to Resolving Enduring Misconceptions about Insoluble and Soluble Fiber. J Acad Nutr Diet 2017; 117(2):251-264
  4. Hu D, Liu W, Yu W et al. Psyllium seed husk regulates the gut microbiota and improves mucosal barrier injury in the colon to attenuate renal injury in 5/6 nephrectomy rats. Ren Fail 2023; 45(1):2197076
  5. Mackei M, Talabér R, Müller L et al. Altered Intestinal Production of Volatile Fatty Acids in Dogs Triggered by Lactulose and Psyllium Treatment. Vet Sci 2022; 23;9(5):206
  6. Yang C, Liu S, Li H et al. The effects of psyllium husk on gut microbiota composition and function in chronically constipated women of reproductive age using 16S rRNA gene sequencing analysis. Aging (Albany NY) 2021; 3;13(11):15366-15383
  7. Jalanka J, Major G, Murray K et al. The Effect of Psyllium Husk on Intestinal Microbiota in Constipated Patients and Healthy Controls. Int J Mol Sci 2019; 20;20(2):433

Heilpraktiker mit dem Therapieschwerpunkt Phytotherapie

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