LipödemLymphdrainage bei Lipödem

Lymphdrainage kann helfen, Schmerzen beim Lipödem zu lindern. Übungen zur Selbstbehandlung für Beine und Hüfte.

Inhalt
Stehende Frau streicht mit den Händen ihre Hüfte aus
H. Münch/Thieme - Posed by a Model.
Lymphdrainage kann Lipödem-Beschwerden lindern.

Das Lipödem-Syndrom ist eine chronische Erkrankung des Unterhautfettgewebes. Dabei handelt es sich um eine strukturelle Entartung von Fettzellen und eine schmerzhafte Fettverteilungsstörung.

Lipödem

Das Lipödem zeichnet sich aus durch:

  • Disproportion zwischen Oberkörper und Unterkörper,
  • symmetrische Fettpolsterverteilung meist ab hüftabwärts und Füße dabei frei,
  • bei betroffenen Armen sind die Hände frei,
  • deutlicher Druck- und Berührungsschmerz,
  • auffallend deutliche Neigung zu blauen Flecken aufgrund einer erhöhten Fragilität der Blutkapillaren (Ursache ungeklärt),
  • Spannungsschmerzen,
  • oft Ödembildung in der zweiten Tageshälfte (eiweißarm),
  • kühle Haut an den betroffenen Stellen,
  • Neigung zum Fortschreiten der Krankheit.

Die Therapie des Lipödems ist derzeit auf zwei Säulen aufgebaut. Durch die Kombination beider Verfahren kann ein dauerhaftes Ergebnis erzielt werden.

  • konservative Behandlung – Schmerzreduktion und Ödemmanagement
  • operative Behandlung – Fettreduzierung

Das Ziel der konservativen Behandlung ist die Kontrolle der Entzündungen im Fett- und Bindegewebe und eine Verminderung der Gewebsflüssigkeit mittels Kompression, Übungen in Kompression
und ggf. manueller Lymphdrainage. Die therapeutische Unterstützung sollte ein Coaching der betroffenen Patientinnen sein mit der Zielsetzung, sie aufzuklären, das Selbstmanagement zu unterstützen und Bewegungstherapien anzuleiten.

Eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Lymphtherapie (in erster Linie Aufklärung), Bewegungstherapie (idealerweise physiotherapeutisch unterstützt), ggf. Psychotherapie und Ernährungsberatung mit Gewichtskontrolle (idealerweise von medizinisch ausgebildeten und geprüften Fachkräften) ist zu empfehlen. Denn nur mit einem sinnvoll geleiteten Selbstmanagement stellen sich Therapieerfolge ein.

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Woher kommen die Schmerzen?

Zur Thematik der Schmerzen werden in Fachkreisen aktuell zwei Hypothesen diskutiert.

  • Hypothese 1: Die Schmerzen entstehen durch die Ausmaße der Ödeme zwischen den Fettzellen und die dadurch erhöhte Stauung und Entzündung im Gewebe.
  • Hypothese 2: Die Schmerzen im betroffenen Gewebe entstehen durch Entzündungen im Fett- und Bindegewebe.

Bisher galt die erste Hypothese, doch neuere Studien und Publikationen deuten darauf hin, dass die zweite Hypothese sich weiter wissenschaftlich bestätigen lässt.

Derzeit ist es (befristet) möglich, für die Behandlung eines reinen Lipödems Verordnungen für KPE zu bekommen. Das ist auf der einen Seite gut und sinnvoll, allein schon für die Aufklärung und
Schulung der Betroffenen. Doch auf der anderen Seite ist es unnötig, denn die manuelle Lymphdrainage kann nur momentane Schmerzerleichterung verschaffen und den Umfang nicht nennenswert
mindern.

Mit den folgenden Übungen behandeln Sie gezielt ein Lipödem der Beine und der Hüfte.

Basisübung 1: Schulter-Nacken-Übungen

Mit den Basisübungen startet jede Eigenbehandlung, um das Lymphgefäßsystem anzuregen.

Darum geht es: Die Schulter-Nacken-Übungen bringen Bewegung in die Region der Mündungsgebiete (Venenwinkel) des Lymphgefäßsystems und erzeugen somit einen Sog im System. Die Venenwinkel sitzen direkt hinter den Schlüsselbeinen. Hier wird das Blut der Vena jugularis interna und der Vena subclavia zusammengebracht.

Ausgangsposition: Am besten setzen Sie sich entspannt und aufrecht hin. Sie können aber auch im Stehen üben.

Nackenrotation

Ausführung: Atmen Sie ein und drehen Sie den Kopf langsam zur Seite, so weit, wie es Ihnen möglich ist. Es soll keine Schmerzen erzeugen. Halten Sie diese Position ca. 5 Sekunden. Atmen Sie aus, kehren Sie zur Mitte zurück und führen Sie das Ganze zur anderen Seite durch.

Häufigkeit: 5-mal pro Seite

Kopfneigung

Ausführung: Neigen Sie den Kopf zur Seite und bringen Sie Ihr Ohr vorsichtig in Richtung Schulter, halten Sie diese Position ca. 5 Sekunden und bringen Sie den Kopf wieder in die Ausgangsposition.

Häufigkeit: 5-mal pro Seite

Schulterzucken

Ausführung: Atmen Sie ein und heben beide Schultern in Richtung Ohren. Atmen Sie aus und kehren in eine entspannte Position zurück.

Häufigkeit: 10-mal

Schulterkreisen

Ausführung: Kreisen Sie 10-mal mit beiden Schultern nach oben und nach hinten und danach in die andere Richtung.

Häufigkeit: 10-mal in jede Richtung

Basisübung 2: Venenwinkel vorbereiten

Machen Sie diese Übung ganz in Ruhe. Die Vorbereitung ist wichtig für die manuelle Lymphdrainage.

Darum geht es: Diese Technik dient zum Vorbereiten der Einmündungsstellen des Lymphgefäßsystems in das Blutgefäßsystem.

Ausgangsposition: Am besten im Sitzen oder auch im Stehen; kreuzen Sie vor dem Oberkörper die Arme und bewegen Sie Ihr Kinn leicht Richtung Brustbein.

Ausführung: Tasten Sie Ihre Schlüsselbeine am Halsansatz und lassen Sie Ihre Finger in den weichen Bereich dahinter wandern, in die Schlüsselbeingrube. Nun sind Sie an der richtigen Position. Geben Sie einen leichten Druck in die Tiefe in Richtung Brustkorb, man kann es auch als eine Art Pumpen beschreiben. Sie können dabei zusätzlich die Schultern heben und senken.

Häufigkeit: 20-mal

Basisübung 3: Die tiefe Bauchatmung

Die tiefe Bauchatmung gehört zu den vorbereitenden Übungen. Sie kann aber auch unabhängig davon zur Entspannung gemacht werden.

Darum geht es: Die Bauchatmung ist eine der wichtigsten Grundübungen. Ihr Ziel ist es, die Lymphgefäße im Bauchraum anzuregen und den Milchbrustgang, der von der Lendenwirbelsäule direkt vor der Wirbelsäule über den Brustraum bis zum Hals führt, zu entleeren. Dies alles erzeugt einen zentralen Sog auf das Lymphgefäßsystem, somit wird aus den umliegenden Lymphgefäßen viel mehr herausgesaugt.

Ausgangsposition: Am besten legen Sie sich auf den Rücken, legen die Hände auf den Bauch und stellen die Beine etwas an. Wenn liegen nicht möglich ist, setzen Sie sich aufrecht auf einen bequemen Stuhl und legen Ihre Hände auf den Bauch. Alternativ können Sie die Übung auch im Stehen machen, die Hände liegen auf dem Bauch.

Ausführung: Atmen Sie durch die Nase ein und konzentrieren Sie sich dabei darauf, dass Sie gegen Ihre Hände einatmen. Das heißt, die Bauchdecke wölbt sich beim Einatmen nach außen, die Hände geben dabei einen leichten Gegendruck. Beim Ausatmen atmen Sie durch den Mund und nutzen dabei die locker geschlossenen Lippen als Bremse.

Häufigkeit: In einem ruhigen Tempo ca. 1–2 Minuten oder gerne länger

Basisübung 4: Becken kippen

Ausgangsposition: Rückenlage auf dem Boden, die Beine sind aufgestellt.

Ausführung: Kippen Sie mit Ihren Bauchmuskeln Ihr Becken nach unten und drücken Sie Ihren unteren Rücken flach auf den Boden. Die Spannung für ca. 5 Sekunden halten, dann lösen.

Häufigkeit: 8- bis 10-mal wiederholen

Mit den Lymphknoten-Techniken schließen Sie die vorbereitenden Übungen ab. Sie bearbeiten immer die gesunden Lymphknoten.

Darum geht es: Mit diesen Griffen bereiten Sie die Lymphknoten auf die weitere Behandlung vor. Sie drücken sie sozusagen aus. Neben den beschriebenen Griffen können Sie auch den stehenden Kreis anwenden, jedoch mit der Besonderheit, dass Sie den Druck in die Tiefe etwas erhöhen, um auf die Lymphknoten einzuwirken. Der Druck geht dabei flächig in die Tiefe, darf jedoch nicht unangenehm sein.

Achsellymphknoten

Spreizen Sie den Arm ab, legen Sie die Hand flächig in die Achsel und führen Sie den Arm wieder zum Körper heran. Dabei geben Sie mit der Hand flächigen Druck in die Tiefe, in Richtung Brustkorb.

Häufigkeit: 20-mal wiederholen

Leistenlymphknoten

Variante Stand: Stellen Sie sich aufrecht hin. Legen Sie die Kleinfingerkante der Hand der gleichen Seite in die Leistenbeuge und heben Sie Ihr Bein an und lassen es wieder locker.

Häufigkeit: 20-mal wiederholen

Variante Rückenlage: Legen Sie sich auf den Rücken. Legen Sie die Kleinfingerkante der Hand der gleichen Seite in die Leistenbeuge und beugen Sie Ihr Bein und legen es wieder ab.

Häufigkeit: 20-mal wiederholen

Wichtig

Bei Gleichgewichtsproblemen an einem Tisch oder Stuhl festhalten.

Ausgangsposition: Auf dem Boden sitzend, mit aufgerichtetem Oberkörper und gestreckten Beinen oder mit leicht angewinkelten Beinen im Stand.

Ausführung

  1. Machen Sie die Basisübungen 1 bis 4 (siehe oben). Danach bereiten Sie mit den Lymphknotentechniken die Lymphknoten der Leiste vor (siehe oben).
  2. Streichen Sie das Gesäß in die vorbereiteten Leistenlymphknoten aus oder bearbeiten Sie es mit stehenden Kreisen (Foto oben links). 
  3. Nun bearbeiten Sie erst ein Bein bzw. eine Seite, danach die andere Seite. In der Leiste der betroffenen Seite starten Sie mit Streichungen zur gleichseitigen Achsel. 20- bis 30-mal wiederholen. Darauf folgen einhändige oder beidhändige Streichungen von der Leiste der betroffenen Seite zur gegenüberliegenden Leiste. 20- bis 30-mal wiederholen. Das Ziel ist jeweils das Abflussgebiet Leistenlymphknoten. Somit geht der Schub immer in Richtung Leistenregion.
  4. Bearbeiten Sie mit Streichungen oder stehenden Kreisen die Oberschenkelaußenseite, immer in Richtung der Leistenlymphknoten (Foto oben rechts), danach die Oberschenkelinnenseite in Richtung der
    Außenseite des Oberschenkels. Beginnen Sie im Bereich der Leiste und schreiten Sie in Richtung Knie fort. Die Oberschenkelrückseite bearbeiten Sie ebenfalls mit Streichungen oder stehenden Kreisen in Richtung Oberschenkelaußenseite.
  5. Nun bearbeiten Sie die Vorderseite des Unterschenkels in Richtung Oberschenkelaußenseite mit Streichungen oder stehenden Kreisen, danach die Rückseite der Unterschenkel.
  6. Den Knöchel bearbeiten Sie intensiv beidseits mit Streichungen oder stehenden Kreisen, Schub Richtung Unterschenkel. Darauf folgen der Vorfuß und die Zehen.
  7. Danach behandeln Sie das andere Bein bzw. die andere Seite.
  8. Zum Abschluss Punkt 1 wiederholen.

  • Lernen Sie das Lymphsystem kennen und verstehen.
  • Ideal auch für die Zeit zwischen den Therapieeinheiten, Sie können selbst aktiv werden.
  • Wirksame Handgriffe gegen hartnäckige Beschwerden.