
Der Holunder schenkt uns Blüten und Früchte
Der Schwarze Holunder (Sambucus nigra) gehört im deutschsprachigen Raum zu den häufigsten Sträuchern. Da er eine typische Begleitpflanze menschlicher Siedlungen ist, hast du ihn bestimmt schon einmal gesehen. Namensgebend für den Strauch waren vermutlich die glänzenden schwarz-violetten Früchte, die von August bis September reifen. Diese „Holunderbeeren“ lassen sich zum Beispiel zu Saft oder Gelée verarbeiten.
Aber nicht nur die Holunderfrüchte sind vielseitig nutzbar, sondern auch die im Mai und Juni erscheinenden Blüten mit ihrem betäubend süßlichen Geruch. Der intensive Blütenduft wird allerdings nicht von allen Menschen gemocht.
Bedeutsame Heilpflanze unserer Vorfahren
In einem alten Sprichwort heißt es „Ein Holunder am Haus erspart den Arzt“. Das zeigt uns, dass der Schwarze Holunder einst die Hausapotheke der Bauern war. In der Volksmedizin gehörte er zu den beliebtesten Heilmitteln. Früher verwendete man alle Teile des Holunders für medizinische Zwecke, was auch der Kräuterpfarrer Künzle (1857-1945) lobend hervorhebt: „Alles an ihm ist nämlich brauchbar und wirksam, die Wurzeln, die Rinde, die Blätter, die Blüten und die Beeren".
Die moderne Phytotherapie konzentriert sich heute allerdings nur noch auf die Blüten, deren schweißtreibende, schleimlösende und entzündungshemmende Wirkung wissenschaftlich belegt ist. Dementsprechend ist das Haupteinsatzgebiet der Blüten die klassische Erkältung, vor allem bei Bronchitis, trockenem Reizhusten und bei Schnupfen. Die einfachste Anwendung ist der Holunderblütentee, wofür du 2 TL getrocknete Blüten mit 200 ml heißem Wasser aufbrühst und nach 10 Minuten abseihst. Das Süßen mit etwas Honig verstärkt die Wirkung.
Tolle Aromen für die „wilde Küche“
Die Holunderblüten sind nicht nur ein beliebtes Heilmittel, sondern auch eine tolle Bereicherung für die Küche. Natürlich nur, wenn du den Duft der Blüten magst. Sie eignen sich beispielsweise zur Herstellung von Blütengelee oder -sirup, oder man kann mit ihnen Limonade, Essig, Likör oder Zucker aromatisieren. Probiere doch einmal den Blütenduft einzufangen, indem du sie einige Stunden in Milch oder Sahne einlegst. Dann kannst du daraus einen Holunderblüten-Pudding oder eine Holunderblüten-Schlagsahne herstellen. Sehr beliebt ist auch ein Sekt aus Holunderblüten und die in Pfannkuchenteig ausgebackenen „Hollerküchle“ sind in einigen Regionen eine Spezialität.
Da die Blüten gerne von Blattläusen und anderen kleinen Insekten besucht werden, solltest du bei der Ernte und Verarbeitung genau hinschauen. Ein Waschen der Blüten ist allerdings nicht sinnvoll, denn dadurch gehen sehr viele Aromen verloren.
Achtung: Falls du im Sommer auch die Früchte verarbeiten möchtest, solltest du wissen, dass sie im rohen Zustand leicht giftig sind. Sie enthalten cyanogene Glykoside, die Brechreiz, Übelkeit und Durchfall hervorrufen können. Durch Erhitzen zerfallen die Giftstoffe jedoch weitgehend, so dass du aus den Früchten problemlos Saft oder Gelée herstellen kannst.
Rezept: Holunderblüten-Gelee
Zutaten
- 120 g Holunderblütendolden
- 800 ml Apfelsaft
- Saft einer Zitrone
- ½ Vanilleschote
- 500 g Gelierzucker 2:1
Zubereitung
Die Blütendolden in einen Topf geben, mit Apfelsaft übergießen. Zitronensaft und aufgeschnittene Vanilleschote zugeben. Etwa 2 Stunden ziehen lassen, dann im Topf bis zum Kochen erhitzen. Vom Herd nehmen, 10 Minuten ziehen lassen und durch ein feines Sieb abfiltern.
Mit Gelierzucker mischen und zum Kochen bringen. Nach 3 Minuten Kochzeit heiß in sterile Gläser füllen und sofort verschließen. Das Gelee kannst du problemlos 16 Monate lagern.
Und zum Schluss …
Die im Mai und Juni aufblühenden Holunderblüten kannst du vielseitig verarbeiten. Sie eignen sich für Erkältungstees, aber auch kulinarische Raritäten wie Holunder-Gelée oder Holunder-Pudding. Für unsere Vorfahren war der Schwarze Holunder unentbehrlich. Es lohnt sich also ihn näher kennenzulernen.
Wichtiger Hinweis!
Wie jede Wissenschaft ist die Heilpflanzenkunde ständigen Entwicklungen unterworfen. Soweit in diesem Beitrag medizinische Sachverhalte, Anwendungen und Rezepturen beschrieben werden, handelt es sich naturgemäß um allgemeine Darstellungen, die eine individuelle Beratung, Diagnose und Behandlung durch eine Ärztin, einen Arzt oder eine/einen Apothekerin nicht ersetzen können. Jede/Jeder Nutzende ist für die etwaige Anwendung und vorherige sorgfältige Prüfung von Dosierungen, Applikationen oder sonstigen Angaben selbst verantwortlich. Autoren und Autorinnen und Verlag haben große Sorgfalt darauf verwendet, dass diese Angaben bei ihrer Veröffentlichung dem aktuellen Wissensstand entsprechen. Eine Haftung für Schäden oder andere Nachteile ist jedoch ausgeschlossen.
Für die meisten Heilpflanzen fehlen Studien zu Unbedenklichkeit bei der Anwendung in der Schwangerschaft und während der Stillzeit, sowie bei Säuglingen, (Klein-)Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren. Alle beschriebenen Anwendungen sollten daher, sofern nicht ausdrücklich im Beitrag anders beschrieben, bei diesen Personen und in diesen Lebensphasen nicht ohne ärztliche Zustimmung angewendet werden.
- Rudi Beiser. Wildkräuter. Stuttgart: TRIAS: 2017
- Rudi Beiser. Wildfrüchte. Stuttgart: TRIAS; 2018
- Rudi Beiser. Essbare Bäume und Sträucher. Stuttgart: Ulmer; 2025
Rudi Beiser
Wildkräuter- und Heilpflanzenexperte





